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    Herr von Bohlen

    ein Film von André Schäfer
    mit Arnd Klawitter als Arndt von Bohlen
    Deutschland 2015, 90 Minuten,
    deutsche Originalfassung

    Im Verleih der Edition Salzgeber

  • Synopsis

    Filmstill

    Er war der funkelnde Saphir in einer grauen Dynastie - Arndt von Bohlen und Halbach, der letzte Krupp. Liebstes Hassobjekt der deutschen Nachkriegspresse. Vom Vater und dessen Handlangern zum Verzicht auf das Familienerbe gedrängt, führte er ein Märchenleben zwischen Sylt, Marrakesch, dem Salzburger Land und Palm Beach, teuren Familiensitzen, um deren Unterhalt er sich kümmern musste. Ein Bittsteller, verlacht als „reichster Frührentner Deutschlands”. Ein schwuler Paradiesvogel, der das Licht der Öffentlichkeit brauchte. Weich wie Watte statt hart wie Kruppstahl? Der letzte Krupp tanzte aus der Reihe - aber wenigstens tanzte mal einer.

    Pressenotiz

    André Schäfer („Deutschboden”) erzählt die Geschichte des letzten Sprosses einer belasteten Familie, der diesem Land einfach zu viel war. HERR VON BOHLEN lässt wichtige Zeitgenossen und Freunde zu Wort kommen und verwischt die Grenze zum Fiktionalen, wenn ein Reporter Arndt von Bohlen (Arnd Klawitter) in einer inszenierten Reise Ende der 1970er Jahre an die bedeutenden Orte seines Lebens begleitet.

  • Arndt von Bohlen • André Schäfer • Arnd Klawitter

    Filmstill

    Arndt von Bohlen und Halbach

    Arndt von Bohlen und Halbach wird am 24. Januar 1938 in Berlin-Charlottenburg geboren. Er ist das erste Kind von Alfried Krupp von und Halbach, dem Alleininhaber des Stahlkonzerns Krupp, und wird das einzige bleiben.

    Während des Zweiten Weltkrieges wächst er in der Obhut seiner Mutter Anneliese auf. Nach Kriegsende wird sein Vater von den Alliierten inhaftiert, denn unter Alfried Krupp von Bohlens Führung hat das Unternehmen weitreichend mit den Nazis kollaboriert. 1948 wird er wegen Sklavenarbeit (Einsatz von Zwangsarbeitern) und Plünderung von Wirtschaftsgütern zu zwölf Jahren Haft verurteilt, doch bereits 1951 folgt auf Initiative der Amerikaner seine Begnadigung und vorzeitige Entlassung. 1953 kann er - unter gewissen Auflagen - wieder die Leitung seines Unternehmens übernehmen.

    Sein Sohn Arndt besucht in dieser Zeit verschiedene Internate in Bayern und der Schweiz. Nach dem Abitur 1958 studiert er in Freiburg (Breisgau) und München Volks- und Betriebswirtschaft sowie Jura. Er absolviert verschiedene Praktika in den väterlichen Unternehmen, die ihn auf seine zukünftige Position vorbereiten sollen: Eigentlich ist er, der Unternehmenstradition folgend, als Nachfolger und Alleinerbe vorgesehen. Doch dann ändert der Vater seine Ansicht.

    Dies hat auch mit der Rezession der 1960er Jahre zu tun, die den Krupp-Konzern in große finanzielle Schwierigkeiten bringt. Nur eine Änderung der Firmenrechtsform in eine gemeinnützige Stiftung kann weitere Kredite garantieren und den Fortbestand des Unternehmens auch nach Alfried Krupps Tod dauerhaft sichern. Dies setzt aber Arndts Erbverzicht voraus, mit dem überdies die riesige Erbschaftssteuer umgangen werden kann. Berthold Beitz, der von Alfried Krupp von installierte Generalbevollmächtigte des Unternehmens, überredet Arndt zum freiwilligen Verzicht auf das riesige Firmenvermögen seines Vaters, das geschätzt 2,5 bis 3,5 Milliarden DM beträgt. Nun darf Arndt von auch offiziell den Firmennamen Krupp nicht mehr tragen, denn dieser war dem jeweiligen Alleinunternehmer vorbehalten - ein Vorrecht, das noch Kaiser Wilhelm II . erteilte. Arndt von Bohlen gilt demnach als „der letzte Krupp”.

    Im Gegenzug erhält Arndt von Bohlen eine jährliche Zahlung von um die 2 Millionen DM . Zusätzlich erbt er das Privatvermögen seines Vaters: das Schloss in Blühnbach im Salzburger Land, eine Villa in Marrakesch, Häuser in Essen und auf Sylt, Wohnungen in München und New York. Arndt macht sein Erbverzicht finanziell schwerer zu schaffen als erwartet, denn sowohl langwierige Rechtsstreitigkeiten über eine mögliche Besteuerung seiner Apanage als auch die jährlichen Schwankungen seiner „Förderrente”, die sich an betrieblichen Entwicklungen orientiert, machen es ihm nach eigener Aussage unmöglich, langfristig zu planen. Die kostspieligen Liegenschaften in Tirol, Marrakesch und Palm Beach führen ihn gar an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

    Diesen Widrigkeiten zum Trotz führt Arndt von Bohlen ein ausschweifendes Party- und Jetset-Leben. Am 14. Februar 1969 heiratet er auf Schloss Blühnbach die österreichische Adelige Henriette („Hetti”) von Auersperg. Die Ehe zwischen dem bekennenden Schwulen Arndt von und der österreichischen Adeligen wird von beiden als Vernunftsehe bezeichnet und bleibt kinderlos. Immer wieder setzt sich Arndt von Bohlen zudem für wohltätige Zwecke ein und spendet u.a. für Projekte in Thailand und auf den Philippinen. Als Dank für eine Spende für katholische Flüchtlinge im libanesischen Bürgerkrieg wird er zum Ritter des Ordens vom Heiligen Kreuz zu Jerusalem geschlagen.

    Arndt von , der im internationalen Jet-Set nicht nur für seinen opulenten Kleidungsstil, sondern auch für seine Liebe zu Make-up bekannt war, unterzog sich Dutzenden von Schönheitsoperationen, auch gegen ärztlichen Rat.

    Am 8. Mai 1986 stirbt Arndt im Alter von 48 Jahren in dem Münchener Klinikum Großhadern an Mundbodenkrebs. Er wird danach in der Gruft der Schlosskapelle von Schloss Blühnbach beigesetzt, seinem bevorzugten Refugium.

     

    André Schäfer (Regie)

    André Schäfer wurde am 1966 in Troisdorf geboren. Er studierte Geschichte und Journalistik an der Universität in München und ließ sich gleichzeitig an der Deutschen Journalistenschule ausbilden. Zunächst arbeitete er als freier Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und realisierte Beiträge für öffentlich-rechtliche Sender und stern- TV . Seit 2001 ist er Gesellschafter bei der Florianfilm GmbH in Köln. Seit 2006 schreibt und dreht er auch selbst Dokumentarfilme. Mehrfach arbeitete er bereits zu queeren Themen und Figuren und war Gast des Panoramas der Berlinale. 2014 erhielt er für seinen Dokumentarfilm „Deutschboden” - einer Verfilmung des gleichnamigen Reportagebuchs von Moritz von Uslar - den Preis der deutschen Filmkritik.

    Filmografie als Regisseur
    2014   „Fünf Tage in New York - Gay Pride am Hudson” (TV)
    2013   „Deutschboden”
    2013   „Willy Brandt - Erinnerungen an ein Politikerleben” (TV)
    2011   „John Irving und wie er die Welt sieht”
    2010   „Perry Rhodan - Unser Mann im All”
    2010   „Piraten - Wegelagerer der Weltmeere” (TV)
    2009   „Rock Hudson - Dark and Handsome Stranger”
    2009   „What a Difference a Day Made - Doris Day Superstar”
    2008   „Lenin kam nur bis Lüdenscheid - Meine kleine deutsche Revolution”
    2007   „Schau mir in die Augen, Kleiner”
    2006   „100 Porsches and Me”
    2006   „Mit 25 geht´s bergab” (TV)

     

    Arnd Klawitter (Arndt von Bohlen)

    Arnd Klawitter ist einer der gefragtesten Theater-, Film- und Fernseh-Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Er wurde 1968 in Hamburg geboren und absolvierte seine Schauspielausbildung von 1991 bis 1994 an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach dem erfolgreichen Abschluss ging er zunächst an die Münchner Kammerspiele (1994/95). Anschließend wechselte er ans Staatstheater Stuttgart, wo er bis 2001 spielte. Seitdem war er in Gastrollen am Bayerischen Staatsschauspiel, bei der RuhrTriennale, am Deutschen Theater Berlin und von 2012 bis 2013 am Schauspielhaus Zürich zu sehen.

    Seit 1995 steht Arnd Klawitter für Film und Fernsehen vor der Kamera. Sein Debüt gab er in Hans-Christian Schmids „Nach fünf im Urwald”. Es folgten u.a. Rollen in Nico Hofmanns Remake „Es geschah am hellichten Tag” (1996) und Sebastian Schippers Kurzfilm „Heldensommer” (1996), In dem preisgekrönten Dreiteiler „Der Laden” (1997-97) übernahm er unter der Regie von Jo Baier eine der Hauptrollen. Es folgten: der Zweiteiler „Deutschlandspiel” (2000, R: Hans Christoph Blumenberg), 2008 der internationale Kinofilm „The Countess”, bei dem Julie Delpy Regie geführt hat, und Wolfgang Beckers „Deutschland 09” (2008). 2011 wirkte Arnd Klawitter in „München 72” (R: Dror Zahavi) mit, in „Oh Boy!” (R: Jan Ole Gerster) und in dem Fernsehfilm „Harry nervt” (R: Bruno Grass). Für seine Darstellung in „Oh Boy!” und „Harry nervt” wurde Arnd Klawitter 2014 mit dem Deutschen Schauspielerpreis als Bester Schauspieler in einer komödiantischen Rolle ausgezeichnet. Seit 2014 spielt Arnd Klawitter in der ZDF-Serie „Dr. Klein” eine der Hauptrollen. 2015 entstanden u.a. die Fernsehfilme „Das Beste kommt erst IV ” (R: Rainer Kaufmann) und „Gefühllos” (R: Marcus O. Rosenmüller). Darüber hinaus spielte Arnd Klawitter im Laufe seiner Karriere in zahlreichen Serien und Reihen wie „Bloch”, „Mord mit Aussicht”, „Ein starkes Team”, „Der Staatsanwalt”, „Weissensee”, „Die Stadt und die Macht”, „Polizeiruf 110” und „Tatort”. Demnächst wird Arnd Klawitter u.a. in den neuen Folgen von „Weissensee” (R: Friedemann Fromm), in der TNT-Serie „Weinberg” (R: Till Franzen, Jan Martin Scharf), in der Hamburg-„Tatort”-Doppelfolge (R: Christian Alvart), in dem ARD-Film „Konrad & Katharina” (R: Franziska Meletzky) und in dem Kinofilm „Der Nachtmahr” (R: Akiz Ikon) zu sehen sein.

    Filmografie als Schauspieler (Auswahl)
    2014   „Eine wie diese” (TV)
    2012   „Oh Boy”
    2011   „Eine bessere Welt” (TV)
    2009   „Deutschland ´09 - 13 kurze Filme zur Lage der Natin”
    2008    „Wolfsstunde” (TV)
    2005   „Hitlerkantate”
    2003   „So schnell du kannst” (TV)
    2000   „Deutschlandspiel” (TV)
    1999   „Pünktchen und Anton”
    1998   „Der Laden” (TV)
    1996   „Es geschah am hellichten Tag” (TV)
    1995   „Nach fünf im Urwald”

     

  • Galerie

    Filmstill

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  • Interview mit André Schäfer

    Filmstill

    Arndt von Bohlen ist sicherlich eine der schillerndsten prominenten Figuren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Aber abgesehen von der sehr freien Anlehnung in Viscontis „Die Verdammten” gibt es keinen Film über sie. Auch in Carlo Rolas Dreiteiler über die Krupps fungiert er nur als „letzter Krupp”, als eine Art personifizierter Schlusspunkt einer großen Dynastie, unfruchtbar, degeneriert, unproduktiv. Dein Film wirft einen ganz anderen Blick auf Arndt, stellt ihn dar als jemanden, der sich vom „grauen Hintergrund” der BRD abhebt. Was genau hat dich an dieser Figur interessiert?

    Am meisten hat mich die Verlogenheit interessiert, mit der die deutsche Öffentlichkeit - und die adaptierte deutsche Meinung - über Arndt geurteilt hat. Ich stelle mir die Generation meiner Eltern vor, die in den 60ern und 70ern so jemanden wie Arndt von bestimmt als einen widerwärtigen Typen empfunden hat. Die konnten doch nicht verstehen oder gar akzeptieren, dass „der reichste Frührentner Deutschlands”, der „Taugenichts” (das sind beides Stern-Schlagzeilen), so war, wie er war. Oder jedenfalls, wie ich mir ihn vorstellte. Ich hab mir am Anfang immer wieder die Fotos von Arndt von Bohlen angeschaut - wie aus einem in s/w fotografierten Krupp-Erben, der ein gigantisches und mit großer Schuld beladenes Unternehmen hat übernehmen sollen, und der schon damals ziemlich unter der Last zusammenzubrechen schien. Und der dann, als leider dann doch nicht so freier und frei lebender Mensch, immer extremer wurde, immer ausschweifender in seinem Lebensentwurf, und der, das ist jedenfalls meine Meinung, am Ende daran zerbrochen ist: an seiner Familie (auch an der Schuld seiner Familie in zwei Weltkriegen), an seiner Rolle, die er nicht erfüllen wollte, die ihm aber auch weggenommen wurde, an seiner Einsamkeit und natürlich auch an der gnadenlosen Öffentlichkeit.

    Du hast ja mehrere Bekannte, Mitarbeiter und Zeitzeugen von Arndt von Bohlen für den Film interviewt, die ein deutlich positiveres Bild von ihm haben als die Boulevardpresse seinerzeit. War es schwer, Zeitzeugen zu finden, die ihn wirklich kannten? Oder war es schwerer, Zeitzeugen zu finden, die ihn nicht als Witz- bzw. Nebenfigur wahrgenommen haben?

    Es war nicht ganz einfach, die, die wir gefunden haben, zu einem Interview zu überreden. Hetti von Auersperg zum Beispiel - immerhin Arndts Frau - hatte uns anfangs zugesagt, dann wieder abgesagt, dann wieder zugesagt und schließlich ganz abgesagt. Die entfernteren Verwandten von Arndt, die noch leben, mochten sich gar nicht mehr zu ihm äußern; aus dem Hause Krupp gab es niemanden, der bereit war, zu Arndt Stellung zu beziehen. Aber auch die wenigen Zeitzeugen, die mit ihm befreundet waren, die sich ihm zugehörig fühlten, wollten damit nicht an die Öffentlichkeit; ich sollte da bitte respektieren, dass sie ungeoutet seien usw. Musste ich dann natürlich respektieren, obwohl ich das eigentlich nicht akzeptieren kann. Die Personen, die bekannt waren - Graeter, der Maler Waske - konnten wir einfach fragen, andere, wie zum Beispiel die Wirte aus München oder die frühere Mitarbeiterin von Herrn Lippert, wurden mir von den anderen Interviewpartnern empfohlen.

    Ziemlich prominent kommt Holger Lippert zu Wort, der Nachlassverwalter. Er ist eine ziemlich interessante Figur, die einerseits permanent versucht, das Bild von Arndt von Bohlen zu versachlichen, die Gerüchte klarzustellen, die Fakten auf den Tisch zu legen - andererseits scheint er persönlich sehr verstrickt, man merkt, dass ihm die Ehrenrettung seines früheren Arbeitgebers sehr am Herzen liegt. Wie hat sich die Arbeit mit ihm entwickelt?

    Das fing schon sehr skurril an - wir hatten ihn nämlich in München vermutet und dort nicht gefunden. Nach einigen Wochen bin ich zufällig mit einer Bekannten durch Husum spaziert - und obwohl sie nicht wusste, an welchem Film ich gerade arbeite, hat sie plötzlich auf ein Haus in ihrer Nachbarschaft gezeigt und gefragt: „Ich weiß nicht, ob du schon mal was von dem gehört hast, aber weißt du, wer da wohnt? Der Nachlassverwalter von Arndt von Bohlen und Halbach!” Das war ein so unglaublicher Zufall, dass ich ihn sofort angerufen habe, und das war der Beginn einer mitunter fordernden, manchmal auch anstrengenden, auf jeden Fall sehr fruchtbaren Zusammenarbeit. Er ist sozusagen mein Kronzeuge, da ich Arndt ja persönlich nicht gekannt habe - er ist derjenige, der ihn (jedenfalls was meine Interviewpartner angeht) am längsten und intensivsten erlebt hat und ihm liegt wirklich daran, seinen Arbeitgeber zu „rehabilitieren”. Was ich natürlich gut fand.

    Jemanden derart Schillerndes zu porträtieren ist ja eine schwierige Aufgabe - ihn ernst zu nehmen, nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, trotzdem in seiner Skurrilität begreifbar zu machen. Du hast dich dazu entschlossen, Arndt von Bohlen von einem Schauspieler, Arnd Klawitter, verkörpern zu lassen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

    Ich hatte von Anfang an vor, all das, was über Arndt noch nicht erzählt wurde, was sich, jedenfalls seriös, niemand getraut hatte zu erzählen, in mehr oder weniger drastischen Bildern im Film zu erzählen: eine Schwulenbar sollte natürlich vorkommen, private Gespräche etc... Als klar wurde, dass uns das Krupp-Archiv kein Material geben würde, habe ich den Entschluss gefasst, das Bild, was ich mir von Arndt ausgemalt hatte - den Arndt, so wie ich mir ihn vorstellte - von einem Schauspieler spielen zu lassen. Ich bin dann auf die Suche gegangen und ziemlich schnell hat mir jemand Arnd Klawitter empfohlen. Das war lustigerweise die Frau von Joachim Król, mit dem ich gerade im Elsass gedreht hatte. Ich bin Heidi Król also total dankbar, denn das hätte niemand so spielen wollen oder können.

    Woher stammen die Texte, die Klawitter als Arndt von Bohlen spricht? Sind das Originalzitate oder improvisiert Klawitter auf der Grundlage seiner oder deiner Beschäftigung mit der Figur?

    Das sind in den allermeisten Fällen Originalzitate von Arndt von Bohlen . Ich habe Arnd Klawitter, als ich ihn in Berlin zum ersten Mal getroffen habe, vorgeschlagen, dass ich ihm ein sehr langes Buch mit vielen Originalzitaten aus Zeitungsartikeln, aus den wenigen Fernsehauftritten Arndt von Bohlens etc. schreibe, das er bitte nicht auswendig lernen, sondern verinnerlichen solle. Und mit den Sätzen im Kopf hat Arnd Klawitter alias Arndt von Bohlen mir dann vor der Kamera Interviewfragen beantwortet. Die Idee war ja, dass ein Reporter Ende der 1970er Jahre Arndt von Bohlen an die wichtigen Orte seines Lebens begleitet, auf Schloss Blühnbach, nach Sylt, nach München, nach Marrakesch und natürlich nach Essen. Und während dieser Drehs an den Originalschauplätzen - in wirklich toll gemachten Kostümen und einer wahnsinnigen Maske - ist Arnd Klawitter dann so in die Rolle Arndt von Bohlen s geschlüpft, dass er mir wirklich meine Fragen beantworten konnte. Die Sätze, die er dann antwortete, waren nicht mehr die Zitate von Arndt von Bohlen, sondern seine eigene Interpretation - denn auch Klawitter hat sich ja Arndt von Bohlen irgendwie vorgestellt und für sich ein Bild geformt, das diesem Arndt entsprach. Arnd Klawitter konnte da ziemlich aus dem Vollen schöpfen, weil ich ihm insgesamt bestimmt 150 Seiten Text geschrieben hatte. Da waren dann natürlich auch gestohlene Sätze dabei. Soll ich ein Beispiel geben? Ich habe ein langes Zeitungsinterview mit Hetti gelesen. Darin sagte Hetti, dass Arndt ihren Freundinnen immer Schminkunterricht gegeben habe. Das habe ich Arndt im Drehbuch in den Mund gelegt: „Ich habe Hettis Freundinnen ja immer Schminkunterricht gegeben”. Und für den Film haben wir eine Szene gebaut, in der sich Arnd Klawitter in einem Schlafzimmer in Marrakech vor einem großen Schminkspiegel schminkt - und dem unsichtbaren Reporter dabei erzählt, dass er Hettis Freundinnen immer Schminkunterricht gegeben habe. Dabei hat er dann ziemlich charmant gelacht.

    Du zeigst ja den Vorgang des Castings der von-Bohlen-Figur am Anfang deines Films und machst damit deutlich, dass dein Zugang kein rein dokumentarischer ist. Wie würdest du diesen Zugang nennen? Ist HERR VON eine Mockumentary?

    Ich zitiere da mal ein Wort aus dem Film, das der unglaubliche Klatschreporter Michael Graeter verwendet: „Doppelstecker”. Der Film ist, finde ich, ein ziemlich der Wahrheit über Arndt von Bohlen entsprechender Film. Der ist zum wichtigen Teil natürlich inszeniert, aber das liegt nicht daran, dass ich nicht dokumentarisch arbeiten mochte, sondern dass ich an die Grenzen des Dokumentarischen gestoßen bin: Ich konnte manche Dinge dokumentarisch einfach nicht darstellen. Ich hab die beste Form für mich gewählt - und das ist mein Erzählen der Geschichte, so wie ich sie mir vorstellte, in den Bildern, die ich gut fand, egal, ob die nun „echt” oder „inszeniert” waren. Keine Ahnung, wie man das fachlich nennt.

    Von selbst, so zumindest wird es im Film gesagt, verstand seine extravagante öffentliche Performance ja als „Schauspiel”, das er selbst entwickelt habe, da ihm seine eigentliche Rolle („der Krupperbe”) weggenommen worden sei. Stimmt das? Hat er das tatsächlich so reflektieren können?

    Das ist wirklich der Gedanke und die Interpretation von Arnd Klawitter gewesen - woran man sieht, wie intensiv er sich mit seiner Rolle beschäftigt hat und wie sehr er Arndt verinnerlichen konnte. Aber das ist auch meine Meinung. Ich glaube, dass ein großes Loch in seinem Leben ausfüllen musste.

    Was hat deiner Meinung nach von Bohlens Schwulsein mit seinem negativen öffentlichen Bild zu tun?

    Ziemlich viel natürlich. Der reichste Frührentner Deutschlands wäre nur halb so interessant gewesen, wenn er hetero gewesen wäre. Wie langweilig! Aber im Ernst, das negative Bild wurden in den 1960er und 70er Jahren geprägt bzw. veröffentlicht: Da war das für keinen Schwulen einfach. Und ich glaube, dass der Rechtfertigungsdruck ihn noch mehr in die extravagante bis extreme Ecke gerückt hat.

    Nachdem du dich so lange mit diesem Menschen beschäftigt hast - ist Arndt von Bohlen für dich ein Opfer?

    Ja, würde ich schon sagen. Opfer einer Familie, zu der der Kaiser und später auch Hitler quasi mit dazugehörten, Opfer der öffentlichen und privaten Meinung der 1950er und 60er Jahre, dass ein Schwuler kein Weltunternehmen führen könne, Opfer der Yellowpress, der langweilig war und die sich auf ihn stürzte wie bei der Jagd, Opfer der Einsamkeit, weil er durch dieses Leben, das ich auch als permanente Flucht verstehe, kein Glück in einer echten Beziehung finden konnte, Opfer von Strippenziehern, die in falsch beraten haben (z.B. in steuerlichen und wirtschaftlichen Belangen) und Opfer von Schmarotzern, die ein bisschen was vom Brocken abhaben wollten. Ich glaube, dass der Mann zeitlebens ziemlich traurig war.

     

  • Die Rolle

    Filmstill

    Arnd Klawitter über Arndt von Bohlen

    „Die Rolle, die mir zugedacht war, hab ich nie spielen dürfen...”
    (Arndt von Bohlen)

    Es gab einen im Nachhinein besonderen Moment vor 8 Jahren: Ich stehe in der Villa Krupp auf dem Hügel in Essen, um die Ausstellung anzuschauen. Alles sehr erwartbar: Familie, gemalt und fotografiert, Firmenwachstum, Kriege (kurz), NS-Zeit (kaum). Dann noch: Ein Filmausschnitt in End losschleife. Firma wird Stiftung, Vaters Dankesrede an den aufs Erbe verzichtenden Sohn. Aber dieser Sohn, wo ist der eigentlich? Nahezu ausgeblendet, ähnlich wie die „schlimme Zeit”, ist er als ca. 35-Jähriger auf einem kleinen s/w-Foto zu sehen. Stark geschminkt, wahrscheinlich schon operiert, verkleidet, mit angestrengtem, maskenhaftem Lächeln, hinter dem die melancholischen Augen eines alten, enttäuschten Jungen hervorschauen.

    Und in genau diesem Moment dachte ich: Den will, den muss ich spielen! Vielleicht nicht sofort, aber unbedingt irgendwann.

    Das hat lang gedauert und ging dann doch ganz schnell ... Denn der Zufall trifft wohl den vorbereiteten Geist. Und vielleicht haben André Schäfer und ich uns deshalb so schnell verständigt.

    Ich hatte einen Regisseur, der mich als Arndt von Bohlen befragt und nicht im herkömmlichen Sinne eine Figur inszeniert. Diese Art, so selbstverantwortlich zu arbeiten, habe ich in meiner Karriere so noch nie erlebt.

    Neben der langen Vorbereitung, der tollen Maske und den wunderbaren Kostümen war es vor allem sein Vertrauen, das mich ermutigt hat. Denn, mal ehrlich, ich sehe Arndt von Bohlen nicht besonders ähnlich, und unsere Biographien haben absolut nichts miteinander zu tun. Trotzdem hat dieser Mensch mit seiner Sehnsucht nach Verwandlung, seiner Maske, seiner operativen Selbstoptimierung, seinem Nicht-Genügen, seinem Fluchtreflex und seiner unerfüllten Anerkennung und Liebe unglaublich viel mit dem Beruf des Schauspielers zu tun. Er bricht aus, ohne irgendwo anzukommen ... irgendwo zu Haus zu sein.

    Ich wollte kein Ähnlichkeitswettbewerb, kein Nachmachen und Hinterherspielen, sondern mich auf Augenhöhe auf jemanden einlassen, dessen Anlächeln gegen die eigene Verlorenheit mich vom ersten Moment, als ich dieses Foto sah, unendlich berührt hat. Die Rolle, die ich unbedingt wollte, hab ich spielen dürfen. Das ist ein großes Geschenk!

     

  • Herr Von Bohlen - Die DVD

    Filmstill

     

    "HERR VON BOHLEN" ist ab sofort im Handel oder unter: www.delicatessen.org erhältlich.

    Jahr: 2015 · Land: Deutschland · Untertitel: Deutsch, Englisch · Sprache: Deutsche Originalfassung · Länge: 90 min · FSK: 0 · Sound: Dolby Digital 2.0 + 5.1 · Formate: 16:9

    EXTRAS: Booklet, Kinotrailer, Deleted Scenes

     

     

  • Cast & Crew

    Filmstill

    Besetzung

     

    Arndt von Bohlen und Halbach  Arnd Klawitter
    Arndts Liebhaber  Arne Gottschling
    Castingteilnehmer  Christian Birko-Flemming
    André Erlen
    Marcos Schlüter
    Partygäste  Yannic Becker
    Sebastian Müller
    Markus Thiele
    Barkeeper  Markus Augé
    Kameramann  Jonas Niewianda
    Regisseur  André Schäfer
    Klatschreporter  Michael Graeter
    Inhaber des Restaurants "Grüne Gans" München  Inge & Julius Stollberg
    Maler  Mathias Waske
    Mitarbeiterin im Büro Arndt von Bohlen und Halbachs  Gabriele Frederking
    Nachlassverwalter Arndt von Bohlen und Halbachs  Holger Lippert

     

    Crew

     

    Regie und Buch  André Schäfer
    Kamera  Andy Lehmann
    Ton  Maximilian Pellnitz
    Thorsten Czart
    Alexander Czart
    Christian Hermanns
    Montage  Fritz Busse
    Schnittassistenz  Angela Tippel
    Fabian Deertz
    Musik  Ritchie Staringer
    Kostüm  Matthias Vöcking
    Maske  Angelika John
    Ausstattung  Annette Lofy
    Design  Karsten Binar
    Setfotograf  Andy Lehmann
    Farb- und Lichtbestimmung  Natalia Maximova
    Sounddesign  Christoph Német (SoundVision GmbH)
    Filmtonmischung  Tilo Busch (SoundVision GmbH)
    Produktionsleiter  Oliver Bärtz
    Herstellungsleiter  Jonas Niewianda
    Producer Florianfilm  Markus Augé
    Produktionsassistentin  Meyrem Yücel
    Line Producer Cine Plus  Kristian Stern
    Producer Cine Plus  Denis Faupel
    Anne-Christin Herbst
    Postproduction Supervisor  Ray Bartsch
    Line Producer Marokko  Karim Debbagh
    Location Manager Marokko  Jaouad el Kacimi
    Regieassistent Marokko  Adil Abdelouhab
    ProduzentInnen  Marianne Schäfer (Florianfilm)
    Frank Evers(Cine Plus Filmproduktion)
    Helge Neubronner (Cine Plus Filmproduktion)
    Redaktion  Martin Pieper (ZDF/Arte)
    Birgit Keller-Reddemann (WDR/Planet-Schule)

     

    Gefördert durch Film- und Medienstiftung NRW, Deutscher Filmförderfonds und Bundesbeauftragter für Kultur und Medien.

    im Verleih der Edition Salzgeber

     

     

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    Pressesektion

    "Arnd Klawitter bei seiner Verwandlung in Herr von Bohlen zuzusehen ist eine wehmutsvoll
    glitzernde Pracht."
    (Siegessäule)

    "Zwischen Spiel- und Dokumentarfilm bietet HERR VON BOHLEN Einblicke in eine von homophoben Neidkomplexen bestimmte Gesellschaft. (Indiekino)

    "Wunderbar fotografiert, klug montiert, absolut sehenswert!" (Queer.de)

    "Ein eigenartig berührendes Porträt zwischen Trash und Luxus, Melancholie und Ironie, das auch viel
    über die Stimmung in der Nachkriegs-BRD sagt."
    (Berliner Morgenpost)

    "Klawitter versteht es, Arndt von Bohlens Zerrissenheit mit minimalen Regungen auszudrücken -
    virtuos und eindrucksvoll!"
    (WAZ)

     

  • Kontakt & Impressum

    Filmstill

    Verleih

    Salzgeber & Co. Medien GmbH

    Prinzessinnenstraße 29 · 10969 Berlin

     

    Tel. ++49-(0)30-285 290 90 · Fax. ++49-(0)30-285 290 99
    info@salzgeber.de »   ·   www.salzgeber.de »

     

    Geschäftsführer: Björn Koll

    Amtsgericht Charlottenburg
    HRB 52 317

    USt-ID gemäß §27a
    Umsatzsteuergesetz
    DE 167 065 308

    Inhaltlich Verantwortlicher
    gemäß § 6 MDStV: Björn Koll

    Kinobuchungen

    Jürgen Pohl
     pohl@salzgeber.de »

    Pressearbeit

    Christian Weber  presse@salzgeber.de »

    Pressematerial

    www.salzgeber.de/presse »

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